Kolumne

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Der Ansturm
Nach seiner Rückkehr gründete er die Zeitung, deren Hauptredaktion sich in Amerika befand, während Druckereien, die um den Globus verteilt waren, die Inhalte per Telegramm nach Redaktionsschluß bekamen, sodass die Blätter pünktlich zum Frühstück an die Leser geliefert wurden. Das, was im neunzehnten Jahrhundert eine Sensation war, ist heute dank Internet selbstverständlich. Jeder kann, fast überall auf dem Globus, Nachrichten aus der ganzen Welt in Echtzeit beziehen. Es gibt sogar Buchhandlungen, die Printmedien aus 80 Ländern der Welt anbieten. Ein Kopiergerät in einer Ecke des Ladens übernimmt die Aufgaben, die früher in den Druckereien erledigt wurden. Die Nachrichtenquellen sind so vielfältig, dass man praktisch an einer Nachrichtenüberflutung ersticken könnte: Radio, Fernseher, Internet und vieles Andere versorgen uns tagtäglich mit Informationen. Das Novum beim Internet ist, dass der User selbst Nachrichtenvermittler geworden ist. Die Meldungen werden für alle ins Netz gestellt. Die Nachrichten werden nicht mehr geografisch gelesen, sondern global in einem sprachlichen Raum. Nur die Sprachen grenzen die Leser von einander ab. ...
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Der undiplomatische Diplomat
Der Vorfall, der zu seiner Versetzung nach Deutschland geführt hatte, ereignete sich, während einer Reise, die er aufs Land unternommen hatte. Die Fahrt dauerte etwas länger, als er sich gedacht hatte und wegen aufkommender Müdigkeit beschloss er, in einem kleinen Ort Rast zu machen. Er stieg aus, betrat ein Café und bestellte eine Limonade. Der Kellner erklärte ihm, dass er keine Schwarzen bedienen dürfe und empfahl ihm zwei Straßen weiter zu fahren, dort sei ein Lokal für Farbige. Herr Doto packte daraufhin den Kellner am Kragen und zischte: „Ich bin ein Afrikaner, der vor kurzem für die Unabhängigkeit seines Landes gekämpft und es von der kolonialen Herrschaft befreit hat. Und hier vertrete ich dieses Land und habe nichts mit eurer Rassengeschichte zu tun.“ Er zeigte ihm einen Dollarschein und fügte hinzu: „Dieser Schein ist genauso grün und hat denselben Wert, wie der, den ein Weißer Ihnen in die Hand gelegt hätte. Ich möchte trinken.“ Der Kellner schaute verzweifelt in die ...
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Lesung im Cafe Okerterrasse
So fand ich nie eine zufrieden stellende Antwort. Seit meiner Pubertät stellte ich die Frage den Frauen, mit denen ich liiert war. Es war komisch, sie antworteten alle wie meine Verwandten: „Du bist nett, du siehst gut aus.“ „Nun, ich weiß! Was ist für dich ein schöner Mann?“ „Mach dir keine Sorgen, ich habe nicht vor, einen anderen Mann zu suchen. So wie du bist, finde ich dich schön.“ „Ich möchte bitte die Kriterien wissen, die für dich einen Mann schön machen.“ „Mein Lieber, das Aussehen ist unwichtig. Das Herz ist entscheidend.“ Nachdem meine Freundinnen auch keine klaren Kriterien verraten haben, gab ich auf. Die Frauen wollen nicht sagen, was sie an den Männern schön finden. Und bis heute sind sie mir die Antwort schuldig geblieben: Große Männer, kleine Männer, bärtige Männer, vollbrustbehaarte Männer und glatzköpfige Männer finden eine Partnerin. Selbst ein deutscher Big-Manager, von dem ich nie erwartet hätte, dass er aufgrund seiner Figur eine Frau finden würde, fand eine. ...
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Die Freiheit im Jahr 2010
Liliana und der Reiseverkäufer wissen, wovon sie reden. Bis vor kurzem war nur von der Untersuchung der Reisenden die Rede gewesen, aber nachdem befürchtet wurde, dass Terroristen aus der Ferne auf Passagierflugzeuge schießen könnten, wurde beschlossen einen Sicherheitsring von 5 km um den Flughafen einzurichten. Aus diesem Grund werden an der Einfahrt die Passagiere, ihre Begleiter, die Autos, die Taxen, die Flughafenmitarbeiter, die Lieferwagen, die Haustiere usw. untersucht. Dann werden die Passagiere vor dem Einstieg ins Flugzeug noch mal durchsucht. Fliegen ist so kompliziert geworden, dass neue Geschäftsfelder entstehen. Viele Reisebusunternehmen schlagen neue Ziele vor: Tunesien, Marokko, Ägypten, Griechenland und die Türkei sollen mit dem Bus bereist werden. Liliana muss fliegen, sie weiß nicht, wie sie sonst nach San Francisco zur Hochzeit ihres Bruders reisen könnte. Sie ist bereit die Strapazen, die eine Flugreise mit sich bringt, auf sich zu nehmen und sitzt nun im Reisebüro. Während des Gesprächs findet der Reiseverkäufer eine günstige Verbindung, Liliana freut sich und bezahlt dankend. Am ...
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