Kolumne

Airbags gegen die Fremdenfeindlichkeit
Den Fremden begegnen wir überall, am Arbeitsplatz, auf dem Sportplatz, in der Freizeit, unter Freunden und in der Liebe. Ein Erfahrungsbericht Preis: 7,00 Euro ISBN : 978-3-9812160-1-1 Mohito Verlag Bestellung über: http://www.sowjethaus.de/kiosk/
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Bin ich doch alt?
Noch einmal ist mir mein Alter klar geworden, als ich zu einer 24-jährigen Kellnerin gesagt habe: „die junge Frau dort möchte einen Kaffee.“ „Wen meinen Sie?“ „Die da“. Die Kellnerin guckt mich verblüfft an und sagt: „Die soll jung sein?“ Ich habe gelacht und gewusst, dass sie auch mich gemeint hat. Denn ich bin sicherlich noch älter als die Frau, die ich ihr gezeigt habe. Einige Tage später will ich eine Freundin zu einem Konzert mitnehmen. Ich komme sehr früh an und warte im Wohnzimmer auf sie. Ein typischer Samstagsnachmittag. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen im Haus. Die Tochter Maria sperrt sich im Badezimmer ein, die Mutter steht davor und ruft, dass sie sich beeilen soll. Auf dem Sofa sitzt ihr Sohn Matthias mit einer Spielkonsole in der Hand. Nach dem Geräusch des fließenden Wassers, hört man nun den Fön aus dem Badezimmer. „Bist du jetzt fertig?“ fragt die Mutter mit leichter Verärgerung in der Stimme. Sie betritt das Badezimmer, kaum will sie ...
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Erotik und Freiheit
Neben den Moralaposteln gab es die Angsthasen, so wie ich, die sich mit Fantasien begnügten oder sich freuten, wenn sie irgendwann echte Frauen nackt zu sehen bekamen, wenn diese endlich einmal beschlossen hatten, eine Freundin zu werden. So kamen es, dass, sobald einer irgendwann geschafft hatte, eine Frau in sein Bett zu locken, er sich Zeit nahm und sie ganz lange streichelte, während er jedes Teilchen ihres Körpers verinnerlichte. Er nahm jedes Haar in sein Gedächtnis auf, den Hals, die Oberweite, den Bauch, jeden Speckring, die Hüften und die Beine. Man brauchte aus dem benachbarten Zimmer nur eine Frauenstimme zu hören und schon bildete sich eine Frauenfigur vor dem geistigen Auge. Und wenn die Jungs in den Ferien nach Westberlin fuhren, stürmten sie die Porno-Kabinen rund um den Zoologischen Garten, bevor sie die Weiterfahrt antraten. Nun zog ich nach der Wende in die demokratische freie Republik Deutschland um. Komischerweise war Geld meine erste größte Sorge in diesem Land mit seiner freien ...
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Das binationale Fest
Zuhause hatte sie nur noch den Fernseher im Kopf. Immer wieder brachte sie das Thema ins Gespräch. Warum ich dagegen sei und warum und warum? „Wir haben doch Geld auf dem Sparbuch!“ protestierte sie. Das war eben der Grund, warum ich stumm blieb, ich wollte keinen Cent aus dem Sparkonto für ein Gerät ausgeben, das wir nicht brauchen. Da ihr Geburtstag bevorstand, schlug ich ihr vor, ein Fest zu veranstalten, und in der Einladung sollte sie ihre Freunde bitten, ihr Geld statt Geschenke zu überreichen, damit sie ihren Traum verwirklichen könnte. Zuerst gefiel ihr der Vorschlag. Dann stellte sie fest, nachdem sie die Gästeliste aufgestellt hatte, dass das zu erwartende Geld nicht ausreichen würde. Bei der Aufstellung hatte sie an Personen gedacht, die über genügend Mittel verfügen und großzügig sind. Es durfte niemand sein, der trotz der Bitte, mit einer Flasche Sekt auftauchen würde. Zumal sie bei einem Bekannten erlebt hatte, wie ein Gast dem Geburtstagskind Meerschweinchenfutter schenkte, weil dieser um etwas ...
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Jedem Volk sein Diktator
„Guten Tag“, sagte er, „ich bin von der GEZ, und so wie ich sehe, haben Sie einen Fernseher, den Sie nicht angemeldet haben.“ Ich fragte ihn, was ihn berechtigte, an meiner Tür zu klingeln und mir diese Botschaft zu verkünden. Er zeigt mir seinen Ausweis. „Sie benehmen sich wie ein Spitzel“, sagte ich. „Nein, ich bin kein Spitzel“ erwiderte er. Er agiere im Auftrag der Gesellschaft. „Ja“, antwortete ich, „ich habe zwar einen Fernseher aber wie Sie gerade sehen, gucke ich nur den türkischen Sender. Und soweit mir bekannt ist, gehört der türkische Sender nicht zu den öffentlichen Rundfunkanstalten.“ Alle Proteste halfen nichts. Der Mann füllte ein Formular aus und verlangte meine Unterschrift. Seitdem bezahle ich Rundfunkgebühren, auch, wenn ich mit dem Programm absolut unzufrieden bin. Ich hätte gerne ein Mitspracherecht bei der Feststellung der Gebühren. Jetzt lasse ich mein Radio und meinen Fernseher ständig laufen. Meinen Nachbarn gefällt das nachts nicht so gut, aber ich erwidere ihnen, dass ich Gebühren zahle, damit ...
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