| Das binationale Fest |
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| Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS |
| Dienstag, den 22. März 2011 um 17:37 Uhr |
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Letzte Woche bin ich mit meiner Frau einkaufen gegangen. Im Supermarkt ist sie ungewöhnlich lange vor einem Fernsehgerät stehen geblieben. Ich habe zuerst nichts bemerkt und erst festgestellt, dass ich allein weiter gegangen war, als ich vor einem Regal mit ihr reden wollte. Ich kehrte um und ging zu ihr zurück. „Guck mal“, sagte sie, „ist das nicht schön? Wir könnten doch so ein Gerät kaufen.“ „Wozu brauchen wir ein neues Fernsehgerät?“, fragte ich. Sie war von der neuen 3-D-Technologie begeistert und wollte unbedingt so ein Gerät haben. Ich war dagegen, denn unser Flachbildschirm-Fernseher ist gerade 2 Jahre alt. Zuhause hatte sie nur noch den Fernseher im Kopf. Immer wieder brachte sie das Thema ins Gespräch. Warum ich dagegen sei und warum und warum? „Wir haben doch Geld auf dem Sparbuch!“ protestierte sie. Das war eben der Grund, warum ich stumm blieb, ich wollte keinen Cent aus dem Sparkonto für ein Gerät ausgeben, das wir nicht brauchen. Da ihr Geburtstag bevorstand, schlug ich ihr vor, ein Fest zu veranstalten, und in der Einladung sollte sie ihre Freunde bitten, ihr Geld statt Geschenke zu überreichen, damit sie ihren Traum verwirklichen könnte. Zuerst gefiel ihr der Vorschlag. Dann stellte sie fest, nachdem sie die Gästeliste aufgestellt hatte, dass das zu erwartende Geld nicht ausreichen würde. Bei der Aufstellung hatte sie an Personen gedacht, die über genügend Mittel verfügen und großzügig sind. Es durfte niemand sein, der trotz der Bitte, mit einer Flasche Sekt auftauchen würde. Zumal sie bei einem Bekannten erlebt hatte, wie ein Gast dem Geburtstagskind Meerschweinchenfutter schenkte, weil dieser um etwas für sein Sparschwein gebeten hatte. Auf ihrer Liste standen 48 Namen. Wenn man davon ausgeht, dass sie im Durchschnitt 20 Euro pro Person erhalten wird, wäre die Summe nicht ausreichend, weil sie noch die Ausgaben für Essen und Getränke mitrechnen musste, letztendlich bliebe nicht viel übrig. Was nun? Wir mussten das Fest optimieren, damit viel dabei herauskommt. Ich prüfte die Liste noch mal und stelle fest, dass sie nur sehr wenig afrikanische Freunde eingeladen hatte und machte ihr einen neuen Vorschlag. Sie sollte die Zahl der beninischen Gäste erhöhen und bundesweit einladen. „Deine Freunde aus Benin werden uns niemals Geld schenken“ sagte sie, „bei euch hat doch der Geburtstag keine große Bedeutung.“ Ich stimmte zu und erzählte ihr, was ich im Hinterkopf hatte. Wir werden drei Listen und drei Einladungen fertig machen. Eine für die Deutschen, eine für die beninischen Freunde und eine letzte für die Freunde, die aus anderen Ländern stammen. Ich erklärte ihr den Vorschlag. Erstens: In Benin gilt der Tod als das wichtigste Ereignis in der Gesellschaft. Die Menschen fühlen sich eher verpflichtet einen Freund zu beschenken oder ihm zu helfen, wenn dieser einen lieben Menschen verloren hat. Sie verschulden sich, um an der Trauerfeier teilnehmen und dem Freund beistehen zu können. Wir werden die beninischen Freunde zu einem Gottesdienst in Erinnerung an den Tod meines Bruders einladen. Meine Frau war skeptisch, aber ich bat sie, mir zu vertrauen. „Das ist doch Betrug!“ sagte sie, aber meine Antwort kam prompt: „Der Weg ist das Ziel.“ Sie brauchte Geld für ihren Fernseher, es sollte ihr egal sein, wie das Geld in die Kasse kam. Hauptsache, wir begingen keinen Diebstahl und solange die Leute freiwillig das ausgeben, was sie sich leisten können, sehe ich nichts Unanständiges. Zweitens: Kinder haben in allen afrikanischen Gesellschaften einen hohen Stellenwert. Da ich nicht wusste, wie es mit dem Tod in den anderen Gesellschaften zugeht, werden wir die Freunde aus anderen Ländern Afrikas und Europas zu der Taufe meiner Nichte einladen. Wir schreiben auf der Einladung, dass meine Nichte geboren sei, nachdem meine Schwester sehr lange krank gewesen sei und man habe nur noch auf ein Wunder gehofft. Das Wunder sei geschehen und wir wollten dieses nun feiern. Da Mutter und Tochter eine kräftige finanzielle Unterstützung für Medikamente brauchten, wünschten wir einen kleinen Geldbetrag. Außer Münzen kann ein Schein nie zu klein sein. Wenn ich schon so kreativ sei für den Text der Einladungen an die Afrikaner, sollten wir für die Deutschen etwas Anderes als die Beschaffung eines Fernsehgerätes angeben, sagte meine Frau. Und so änderten wir die Formulierung für die deutschen Freunde und baten um Geld für die Renovierung des Schuldaches in meinem Dorf in Benin. Wegen der bevorstehenden Regenzeit wollten wir, dass die Schülerinnen und Schüler in trockenen Klassenzimmern säßen und wünschten uns dafür eine finanzielle Unterstützung, die wir vollständig überweisen würden. Wer wollte das nachher schon überprüfen? Die Leute würden sowieso an unseren guten Willen glauben. Soweit sind wir über die Formulierung der drei Einladungen einig. Aber wie soll das Fest stattfinden? Aus ökonomischen Gründen sollte es schon am selben Tag und am selben Ort sein. Wie geht man vor, wenn man Gäste zu unterschiedlichen Anlässen einlädt? Es fällt mir nichts mehr ein. Liebe Leser und Leserinnen haben Sie eine Idee für mich?
Luc Degla
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