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Kolumne
Auf dem Weihnachtsmarkt PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS
Montag, den 12. Dezember 2011 um 02:09 Uhr

Alle Jahre wieder freue ich mich im November auf den Weihnachtsmarkt. Meine Begeisterung für dieses kulinarische Festival ist so groß, dass ich schon beim Aufbau dabei bin. Ich fasse nichts an, aber ich stehe auf der anderen Seite der Straße und schaue den Arbeitern und den Aufstellern zu, wie sie die Hüttchen hinstellen und dekorieren. Dann bin ich natürlich dabei, wenn es los geht. Als Milchtrinker gönne ich mir an dem Tag ein einziges Mal im Jahr ein bisschen Alkohol und trinke genau ein Glas Glühwein, aber mit Schuss natürlich. Danach gehe ich nach Hause und komme ein anderes Mal, um Poffertjes zu essen, ein weiteres Mal für gebackenen Camembert und so weiter bis ich alle Stände durchprobiert habe.

 
Ich oute mich PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS
Freitag, den 19. August 2011 um 20:04 Uhr

Seit zwei Wochen teile ich das Büro mit Bernd, meinem neuen Kollegen. Ungewöhnlich ist sein Schweigen heute, ich höre nur die Tastatur des Computers klappern und das Klicken der Maus. Ab und zu spuckt der Drucker Blätter aus, dann steht er auf, holt sich das Blatt und heftet es in einen Ordner. Wir haben uns sonst viel über die Angehörigen der Firma unterhalten, er hat sich nach den Chefs erkundigt, bei wem er aufpassen muss und so weiter.

Nach einer Weile frage ich ihn, was los sei, warum er so bedrückt und unruhig wirke. Er überlegt und sagt zögerlich, dass er mir mitteilen möchte, dass er schwul sei. „Was geht mich das an?“ frage ich.

„Damit du es von vorneherein weißt“ entgegnet er. Kopfschüttelnd sage ich: „Ich verstehe nicht ganz, warum du mir unbedingt offenbaren musst, dass du schwul bist. Die Sexualität ist doch eine private Angelegenheit oder nicht? Erwartest du von mir, dass ich dir sage, dass ich ein Hetero bin?“

„Nein“, antwortet er.

 
Morgen heirate ich deine Tochter PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS
Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 06:35 Uhr

Welch eine Stimmung! Aus der Wohnung dringen die Gespräche und das Gelächter der Gäste in mein Ohr. Wir haben den Junggesellenabschied, den Polterabend, die Einladungen und andere Vorbereitungen hinter uns. Es fehlt nur noch ein Schritt, damit deine Tochter ganz meine Ehefrau wird: die Trauung Morgen. Es ist ein Moment, in dem ich meine Gefühle kaum beschreiben kann. Ich bin glücklich und gleichzeitig angespannt. Meine zukünftige Ehefrau und ich bekommen nur freundliche Wünsche zu hören. Wobei nicht alle Ehepaare, die ich kenne, einen glücklichen Eindruck vermitteln. Aus diesem Grund habe ich deiner Tochter gesagt, dass wir freiwillig und selbstbestimmt in die Ehe gehen und genauso rausgehen können, wenn es mal soweit kommen sollte, dass die Stimmung sich während der Partnerschaft verändert. Natürlich habe ich nicht vor, gleich auszuziehen, sobald eine Unstimmigkeit auftritt, aber ein großer Philosoph möchte ich wegen meines Daseins als Ehemann nicht werden. Denn, wer einmal in seiner Ehe unglücklich wird, fängt an, Theorien über Familienleben und Ehe zu entwerfen und überall zu erzählen, wie die Welt im besten Fall aussehen soll.

 
Bin ich doch alt? PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS
Donnerstag, den 30. Juni 2011 um 06:32 Uhr

Wann ist das noch passiert? 2007 oder 2009? Nein, ich glaube eher 2008. Doch, 2008. Solche Gedankengänge sind mir bis vor einigen Jahren noch unbekannt gewesen, und jetzt mit den Jahren häufen sich solche Sätze, wenn ich mich an etwas erinnern möchte.

Da ich weder Kinder noch junge Mitarbeiter oder Kollegen habe, fällt es mir schwer die Zeichen der Zeit in den Gesichtern anderer Menschen zu sehen. Aber vor kurzem bekam ich den ersten Hinweis auf mein Alter, als ein junger Mann, auf den ich vor Jahren als Babysitter aufpassen musste, heiraten wollte und mich zu seiner Hochzeit einlud. ‚Ist er schon soweit?‘ dachte ich, ‚wie lange ist es her, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass er jemals Sex haben würde?‘ Wir werden selbst nicht alt, sondern die Jüngeren werden älter und schieben uns durch die Jahre.

 
Erotik und Freiheit PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo Stadtmagazin BS
Mittwoch, den 20. April 2011 um 20:12 Uhr

Im kommunistischen Russland waren die Pornografie und ihre Nebenerscheinungen wie Bordelle, Sexshops, erotische Bilder, Striptease, Sexspielzeuge usw. verboten und galten deswegen unter anderem als Zeichen der demokratischen Freiheit. In den Filmen wurden nackte Frauen nur bis zum Busenansatz gezeigt. Der Zuschauer malte sich aus, wie es weiter unten aussehen könnte und musste sich damit zufrieden geben. Da in meiner Universität tausende junge Männer auf engem Raum lebten und Frauen selten waren, ging es in den Gesprächen viel um Frauen, um die Bedürfnisse des Körpers und die Befreiung der Seele. Um diese Anspannungen zu stillen, brachten afrikanische Studenten harmlose Zeitschriften, wie zum Beispiel Bravo, aus dem Westen Europas mit. Die mutigsten unten ihnen schafften es, doch richtige Pornohefte einzuschmuggeln. Diese Unternehmung war aber sehr gefährlich, weil die, die man erwischte, exmatrikuliert und ausgewiesen wurden.

 
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