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Sowjethaus: eine Namensfindung PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo
Samstag, den 31. Juli 2010 um 20:30 Uhr

Ohne Nostalgiker zu sein oder jemandem zu nahe treten zu wollen, möchte ich Ihnen sagen, dass ich von der Idee des damaligen Freizeit- und Bildungszentrums (FBZ) fasziniert war, als ich neu nach Braunschweig kam. Man konnte sich dort zum Trinken, zum Karten- oder Schachspielen treffen, Seminarräume mieten und sogar Konzerte von Weltberühmtheiten besuchen. Ich träumte schon als Kind davon, ein Haus zu besitzen, in dem Freunde und Besucher aus der ganzen Welt willkommen sind und problemlos Unterkunft und Essen bekommen.

Die letzten Jahre verbrachte ich unter anderem damit, verschiedene Behörden und Einrichtungen in interkulturelle Fragen zu beraten. Dabei stellte ich fest, dass viele Deutsche, die ausländische Partner, Mieter oder Mitarbeiter haben, verzweifelt nach einer gemeinsamen Sprache mit ihnen suchen. Eine Lehrerin fragte nach afrikanischer Literatur und bekam ein Buch von Corinna Hoffman als Empfehlung. “Das ist doch keine afrikanische Literatur!" empörte sie sich und wandte sich an mich. Ich erkannte den Bedarf, nach diesen Informationen, in der Gesellschaft und beschloss, eine Begegnungsstätte zu eröffnen, wo jeder sich beraten lassen und gleichzeitig amüsieren kann. Dem Gewerbeamt sagte ich: “Ein Büro mit Ausschankerlaubnis oder die erste akademische Gastwirtschaft Braunschweigs.”

 
Der Hellseher PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo
Samstag, den 31. Juli 2010 um 20:26 Uhr

Ich sitze in der Mensa und lausche dem Gespräch zweier Studentinnen. Sie unterhalten sich über ihre Probleme, das Studium und alles, was sie noch beschäftigt. Plötzlich höre ich: „Ich möchte gerne einen Hellseher über mein Leben befragen. Kennst du jemanden?“

Da macht es Tick bei mir. Ich denke an meinen chronischen Geldmangel, gerade habe ich eine Mahnung der Krankenkasse in meinem Briefkasten gefunden und mache mir Gedanken, wie ich sie begleichen kann. Ich unterbreche die beiden Damen: „Entschuldigung“, sage ich, „vielleicht kann ich Ihnen helfen.“ Überrascht sehen mich die beiden Frauen mit fragendem Blick an. „Ja“, fahre ich fort, „ich habe Ihr Gespräch verfolgt. Ich muss zugeben, dass es mir peinlich ist, ihnen zu gestehen, dass ich sie belauscht habe, aber wir sitzen so nah zusammen, dass ich nicht weghören konnte.“

 
Der Ansturm PDF Drucken E-Mail
Kolumne - IT
Freitag, den 16. April 2010 um 11:02 Uhr

Als ich noch ein kleiner Bube war, hat mich ein Bericht fasziniert. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, ob er in einem Buch oder in einer Zeitschrift stand. Es war ein Bericht über den amerikanischen Gründer einer großen internationalen Zeitung, der während einer Weltreise davon geträumt hatte, täglich weltweit Nachrichten zu vermitteln, indem dieselbe Zeitschrift, mit fast dem gleichen Inhalt, schnell in jeden Winkel der Erde geliefert wird. Er hatte auf der Reise Nachrichten aus der Heimat vermisst und dachte, er wäre nicht der Einzige sein, der dieses Bedürfnis hätte.

 
Der undiplomatische Diplomat PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo
Freitag, den 16. April 2010 um 10:54 Uhr

Der junge westafrikanische Diplomat, Martin Doto, hatte seine Karriere in den Sechzigern in der Vertretung seines Landes bei der UNO begonnen und wurde zwei Jahre später wegen undiplomatischen Benehmens von den USA nach Deutschland versetzt. Es herrschte noch Rassentrennung, aber die Diplomaten bekamen wenig davon mit, weil sie in New York und Washington weitgehend von den Auseinandersetzungen zwischen den Bürgerrechtlern und den Befürwortern der Rassentrennung abgeschottet waren.

 
Lesung im Cafe Okerterrasse PDF Drucken E-Mail
Kolumne - Da Capo
Dienstag, den 02. März 2010 um 02:49 Uhr

Eine schöne Frau

 

Seit einer Ewigkeit suche ich eine klare Antwort auf eine Frage: Was ist ein schöner Mann? Wie definiert sich ein schöner Mann? Ich habe die Frage meinen Schwestern gestellt. Ich hörte keine Kriterien, sondern „du bist ein schöner Mann.“ „Das ist doch klar“, dachte ich, wer würde seinem Verwandten sagen, dass er nicht schön ist? Niemand. Während meiner Unterhaltungen mit jungen Müttern in Parks hat keine mir gegenüber behauptet, dass ihr Sohn misslungen war. Er ist so süß! Guck, seine Augen. Das Kind ist immer süß und schön. So glaubte ich meiner Mutter auch nicht, als sie mir mit Zuversicht sagte: „Mach dir keine Sorgen mein Junge, du findest schon eine Frau.“ „Nein, Mama“ antwortete ich, „es geht nicht darum, dass ich mir Sorgen mache, sondern dass ich Kriterien für einen schönen Mann suche, so wie man sie für eine schöne Frau hat.“ „Sieh deinen Vater an, er ist ein schöner Mann. Nur sein Charakter ist schlecht, deswegen haben wir uns getrennt, weil ich seine schlechte Seite erst nach der Hochzeit entdeckt habe.“